Seit über dreißig Jahren kombiniert Helge Schneider zum Schrecken der Einen und Ergötzen der Anderen virtuoses Können mit grenzenlosem Nonsens: So ist er vom subkulturellen Geheimtipp zum “Wetten dass…?”- kompatiblen Mainstream-Farbtupfer und geachteten Experimental-Germanisten gereift.
Schlagerparodist, Kabarettist, Autorenfilmer, Jazzer, Kriminalbuchautor, Klamauk-Komödiant, Musikclown, Schauspieler, letzter DaDaist? – es ist nicht einfach, Helge Schneider in ein Klischeekorsett zu zwängen. Aber warum sollte man das denn auch? Denn inzwischen kann sich der Meister bei seinen Ausflügen in die unterschiedlichsten Genres stets auf eine treue Anhängerschar verlassen.
HELGE SCHNEIDER wird in seiner neuen Show nix anbrennen lassen. Er nimmt die Kelle selbst in die Hand und schenkt seinen treuen Fans eine Konzertsuppe á la “Cirque du Kautz” ein. Allein der Titel seiner neuen Tournee lässt dem interessierten Publikum das Wasser im Munde zusammenlaufen!
Viel Spaß bedeutet das für die Fans und weiteres Kopfzerbrechen in den Feuilletonstübchen, wo man diesen seltsamen Typ, der keinen Schein hat für das, was er tut, und der niemanden ernst zu nehmen scheint, doch so gerne einordnen würde – oder ihn wenigstens verstehen! Mit dabei sind auf der Bühne Pete York (Schlagzeug), Sandro Giampietro (Gitarre), Rudi Olbrich (Kontrabass & Tuba). Sergej Gleithman (Bongo & Ausdruckstanz) sowie Bodo Österling (Bongo & Felix-Flasche).
In Zusammenarbeit mit Meyer-Konzerte
Laden Sie das aktuelle Programmheft der Burg Wilhelmstein hier herunter!
Würselen. Erlaubt ist, was gefällt. Das war noch nie anders bei Helge Schneider. Von großartig bis grenzdebil ist alles drin, wenn das vielleicht vollkommenste Gesamtkunstwerk der deutschen Spaßlandschaft eine Bühne betritt. Wie jetzt in Würselen, bei zwei ausverkauften Abenden auf der Burg Wilhelmstein.
Auf hölzernen Krücken humpelt und hampelt Schneider zu Beginn vor seiner mittlerweile fünfköpfigen Begleitband herum. Dann wirft er die Gehhilfen mit breitem Grinsen beiseite. Die Menge lacht, applaudiert, johlt – und hört während der folgenden zwei Stunden kaum mehr auf damit. Denn Schneider steht längst im Generalverdacht, auf Schritt und Tritt witzig zu sein.
Dabei gibt es in der Show durchaus stille Momente. Darunter romantische Songs, die von versierten Musikern dargeboten werden. Doch sobald Helge ulkig mit den Armen schlackert oder neckisch den Kopf mit dem markanten Toupet verrenkt, kippt alles gleich wieder ins Alberne.
Am Klavier sitzt er übrigens nicht mehr selbst. «Da habe ich jetzt jemanden für. Ich muss meine Hände schonen – ich bin ja Pianist!» Viele Versatzstücke im Programm namens «Wullewupp Kartoffelsupp!» sind altbekannt. Teekoch Bodo Oesterling im quietschgelben Hemd etwa, der Schneider des öfteren ein dampfendes Tässchen anreicht. Oder Sergej Gleitmann, der Bart und Mähne beim Ausdruckstanz wild flattern lässt.
Es ist auch dieser Wiedererkennungswert, der einen Teil des Reizes von Helge Schneider ausmacht. Auf der anderen Seite steht seine Unberechenbarkeit. Denn einen roten Faden hat die Show nicht, dieser Faden ist der Künstler selbst, der fleißig improvisiert. Wenn er am alten Gemäuer entlangschlendert und «die ganz herrlichen Fugen hier auf der Burg Würstchen» lobt, wenn er über Vegetarier und «Faunarier» schwadroniert oder von seiner «Zeit in der Raumstation Mich. Oder Mir.» Gelacht wird heftig bei beinahe jedem Satz.
Musik gibt es auch. Die großen Hits. Von «Fitze Fatze» bis zum «Telefonmann». Teils sogar auf Englisch, denn: «Ich finde, dass englische Lieder auf Englisch gesungen einfach besser klingen.» Clownerie, pure Albernheit und etliche Kalauer gehören zu dem Auftritt von Helge Schneider, der auch den eigenen Abtritt schon geplant hat. «Ich will auf dem Friedhof ganz vorne beerdigt werden. Damit keiner so weit laufen muss.»