Von Herrmann Josef Delonge – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten: Kultur
Es ist gute Tradition, die Saison auf Burg Wilhelmstein in Würselen mit einem „Blind Date“ zu eröffenen: Das Publikum weiß nicht, was es erwartet, und der Erlös kommt ganz „Menschen helfen Menschen“, der Hilfsaktion unserer Zeitung, zugute. Das Konzept stimmt, Zuspruch und Begeisterung des Publikums beweisen es. Der von unserem Redakteur Robert Esser moderierte Abend ist immer für Überraschungen gut. Denn wer käme je auf die Idee zu behaupten, dass man auf Alphörnern Jazz, Pop, Latin und Kölner Karnevalslieder intonieren kann? Alpcologne, bestehend aus drei gestandenen Musikern am Schweizer Urinstrument und der Sängerin Victoria Riccio, lieferten den Beweis, dass es funktioniert. Rockpalast-Legende Albrecht Metzger berichtete dann in seinem Solo-Kabarettprogramm allzu ausführlich vom Zusammenprall zweier Welten: Wie lebt es sich als Schwabe in Berlin, erzählt mit vollem Körpereinsatz und viel Musik. Von beidem gab es auch reichlich beim Höhepunkt des Abends, dem Orchestre International Du Vetex. 16 junge Musiker, die in Kortrijk in Belgien zusammenfanden und nun eine Musik spielen, die Balkan mit Jazz, Ska und anderen Stilen vereint. Ein grandioser Radau, der direkt in die Beine fährt. Wer die multikulturelle Truppe verpasst hat, der kann sie beim September Special am 17. September auf dem Aachener Markt erleben. Tosender Applaus des Publikums.
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Die Veranstaltung war eine echte Farce hinsichtlich der angebotenen Programmpunkte. Besonders Herr Albrecht Metzger verdient das Prädikat “Zumutung für das Publikum”. Ein Altennachmittag im Seniorenheim hätte wesentlich mehr Unterhaltungswert gehabt als diese peinliche Veranstaltung. Man sollte sich seitens der Verantwortlichen überlegen, im nächsten Jahr lieber zu freiwilligen Spenden für die Aktion aufzurufen. Ich hatte mich schon gewundert, daß die Zuschauer vor und während der “acts” dem Alkohol recht üppig zugesprochen haben – im nachhinein kann ich mir das nur allzu gut erklären.
Das Orchestre International du Vetex hat dem Publikum das gegeben, wonach es gedürstet hat: Viel Power, energetische Bläser, mitreissende Rhythmen und sehr sympathische Musiker, die ihre Zuhörer immer mehr in ihren Bann gezogen haben. Zum Ende hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Richtig, richtig gut! Alpcologne bot eine interessante Verschmelzung von Alphörnern und Gesang. Ungewohnt vielleicht, aber mit viel Potential; sympathisch auch die Kommentare des Gründers der Truppe. Der Kabarett Beitrag war aus meiner Sicht zu langatmig; manche Gags nicht wirklich neu. Ein vierter musikalischer Beitrag hätte möglicherweise einen besseren Spannungsbogen ergeben.
Last but not least: Kompliment an die Burg-Crew für die gute Arbeit und vielen Dank für den schönen Abend!